28. Januar 2021

Die allgegenwärtigen Corona-Nachrichten verdrängen im Moment so vieles, was auch getan werden müsste, worüber man reden oder nachdenken könnte oder woran bzw. an wen man sich erinnern sollte.

So geht es uns auch, und daher möchten wir wenigstens auf diesem Wege kurz an einen großen Schriftsteller und eine große Schriftstellerin erinnern, die im Januar dieses Jahres 100 Jahre alt geworden wären – Friedrich Dürrenmatt und Patricia Highsmith.

Der Diogenes Verlag hat pünktlich zu diesen Jubiläen eine Biographie Friedrich Dürrenmatts sowie einige Romane Patricia Highsmith‘ in wunderbarer neuer Aufmachung herausgebracht.

erschienen am 23. September 2020
einer von sechs Romanen in neuer Aufmachung

Der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921 geboren. Er ist den meisten wahrscheinlich schon in der Schule das erste mal über den Weg gelaufen und wurde – wie das so ist – vermutlich mit mehr oder weniger Begeisterung gelesen. Später erkennt man dann, dass es sich bei ihm um einen ganz Großen seiner Zunft handelt.

Dabei hat auch ihn das Schicksal der meisten freien Schriftsteller ereilt – der Anfang war wirtschaftlich schwierig. Kaum vorzustellen, dass seine großen Kriminalromane „Der Richter und sein Henker“ und „Der Verdacht“ 1950 zuerst als Fortsetzungsgeschichten in einer Schweizer Zeitung erschienen.

Mehr Glück hatte er als Dramatiker, Komödien waren nach dem Krieg eben sehr gefragt. Seinen Weltruhm begründete er allerdings mit „Der Besuch der alten Dame“ (1956), und nun ging es auch wirtschaftlich bergauf. 1962 folgte der zweite weltweite Erfolg mit „Die Physiker“.

Auszeichnungen hat er viele erhalten, aber was uns vor allem an ihn erinnern wird sind seine Bücher, die irgendwie zeitlos sind. Vielleicht liegt das auch daran, dass er sich immer kritisch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen auseinandergesetzt hat, was uns u.a. auch einen reichen Schatz an Zitaten beschert hat, wie z. B.:

„Das menschliche Wissen ist dem menschlichen Tun davongelaufen, das ist unsere Tragik. Trotz aller unserer Kenntnisse verhalten wir uns immer noch wie die Höhlenmenschen von einst.“ oder

„Ich glaube, dass die anderen Schwierigkeiten, in denen unser Planet steckt, so groß werden, dass die Atomfrage in den Hintergrund tritt.“

Womit wir wieder in der Gegenwart angekommen sind.

Die amerikanische Schriftstellerin Patricia Highsmith wurde am 19. Januar 1921 in Texas geboren. Aus einer Künstlerfamilie stammend (die Eltern waren Graphiker) studierte sie am renommierten Barnard College in New York (wohin die Familie bereits 1927 gezogen war). Dieses College war nur Frauen vorbehalten. Ihre erste 1941 geschriebene Kurzgeschichte wurde 1945 in einer Modezeitschrift veröffentlicht und von einem Preiskomitee zu einer der besten des Jahres 1945 gewählt. Es folgte ein Stipendium für die Künstlerkolonie Yaddo im Bundesstaat New York, wo sie große Teile ihres ersten Romans „Zwei Fremde im Zug“ schrieb.

Der Roman erschien 1950 und hatte sofort großen Erfolg. Alfred Hitchcock kaufte die Filmrechte, der Film erschien 1951, und damit wurde sie nun weltberühmt.

1953 wurde der Roman „Salz und sein Preis“ veröffentlicht, der die Geschichte einer lesbischen Beziehung erzählt. Um nicht als Autorin lesbischer Romane „abgestempelt“ zu werden, benutzte sie dafür ein Pseudonym – Claire Morgan. Auch dieser Roman hatte großen Erfolg, jedoch bekannte Patricia Highsmith sich erst 1990 in der Öffentlichkeit zur Autorenschaft.

Die Reihe ihrer bekannten Romane und Kurzgeschichten ist lang, wer kennt z.B. nicht „Der talentierte Mr. Ripley“, ein Roman, der übrigens gleich mehrfach verfilmt wurde. Was fast alle Werke von ihr gemeinsam haben: Patricia Highsmith beschäftigt sich mit der (bevorzugt nicht ganz gesunden) Psyche des Menschen. Sie selbst behauptete, dass sie bereits mit 8 Jahren begonnen hatte, sich für ein populärwissenschaftliches Buch aus dem Bücherschrank ihrer Eltern zu interessieren, das Fallbeispiele von Menschen mit den unterschiedlichsten psychischen Defekten behandelte, die äußerlich völlig normal wirkten und ihr bewusst wurde, dass sie von solchen Menschen umgeben sein könnte.

Was für ein Glück für uns, denn diesem Umstand verdanken wir wohl viele vergnügliche Lesestunden.

24. Januar 2021

Die triste Jahreszeit und Pandemie bedingte Pause nutzend, möchten wir euch hier immer mal wieder Bücher ans Herz legen, die uns besonders gefallen.

Den Anfang macht unser persönliches Buch des Jahres 2020 „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens, von dem wohl jede*r schon gehört hat. Auch wir können uns dem überwiegend positiven Feedback nur anschließen.

Es kommt nicht so oft vor, dass die Bücher, die auf den einschlägigen Bestsellerlisten zu finden sind, auch unsere Lieblingsbücher sind. Das war – zumindest was dieses Buch angeht – diesmal etwas anders. Und eigentlich muss man dieses Buch gar nicht besonders empfehlen, denn die zahlreichen begeisterten Rezensionen sprechen für sich. Ich tue es trotzdem, denn für uns war „Der Gesang der Flusskrebse“ in vielerlei Hinsicht tatsächlich auch „das Buch des Jahres“.

Warum? Selten habe ich erlebt, dass sich eine doch eher gemischte, unterschiedliche Leserschaft – Männer, Frauen, ältere und jüngere Jahrgänge mit durchaus verschiedenen Leseneigungen – so einig war in der Beurteilung eines Buches, nämlich dass es eine tolle, absolut lesenswerte Geschichte ist.

Die Geschichte des Marschmädchens Kya, die Delia Owens erzählt, ist ergreifend aber nicht kitschig, die Schilderungen der Natur sind interessant und anschaulich, ohne ausschweifend zu werden, und letztendlich liegt über dem Ganzen eine gewisse Spannung, denn schließlich ist es ja von Beginn an auch eine Kriminalgeschichte. Dadurch passt es auch nicht so recht in eine Schublade, was aus meiner Sicht ebenfalls für das Buch spricht.

Ich habe mich beim Lesen an zwei Romane erinnert, die mich ähnlich berührt haben, einmal Harper Lees „Wer die Nachtigall stört“ und zum anderen David Gutersons „Schnee, der auf Zedern fällt“. Vielleicht hat dieses Buch ja auch das Zeug zum Klassiker.

Also: Wer es immer noch noch nicht gelesen hat, dem sei gesagt: Es lohnt sich!